Sottrum

Heimathaus in SottrumDie Gemeinde Sottrum ist Sitzgemeinde der Samtgemeinde Sottrum. Die Gemeinde Sottrum liegt in einer reizvollen Landschaft westlich der Kreisstadt Rotenburg (Wümme). Am 1. März 1974 wurden im Zuge der gemeindlichen Neuzuordnung die ehemaligen Gemeinden Everinghausen und Stuckenborstel eingegliedert. Die Gemarkung ist insgesamt 2.856 ha groß. Die erste geschichtliche Erwähnung geht bis ins Jahr 1205 zurück.

Durch die unmittelbare Nähe zur Hansestadt Bremen und das gut ausgebaute Verkehrsnetz (Bremen ist in etwa 20 Autominuten oder mit der Bahn vom Bahnhof Sottrum zu erreichen) hat sich in Sottrum in den letzten Jahren eine starke Einwohnerentwicklung vollzogen. Diese Entwicklung wird aufgrund der verkehrsgünstigen Lage und der guten Infrastruktur auch in Zukunft anhalten.

Spieker und Backhaus in SottrumDas Ortszentrum von Sottrum wurde in den vergangenen Jahren zu einem leistungsstarken Bereich für Handel und Dienstleistung entwickelt. Hier sind auch mehrere Ärzte und Zahnärzte zu finden. Die Neubaugebiete mit vorwiegend Einfamilienhäusern in Sottrum und Stuckenborstel fügen sich harmonisch in das durch Landwirtschaft und Klein- und Mittelgewerbebetriebe geprägte Gesamtbild ein. Die Kindergärten und die schulische Versorgung sind für die Größenordnung Sottrums vorbildlich. Der älteren Generation steht ein Altenbegegnungshaus des DRK zur Verfügung.

Am Riegesee in SottrumIn der durch Moor, Wald und Flußniederungen von Wümme und Wieste geprägten Landschaft finden Einheimische und Erholungssuchende Ruhe und Entspannung. Zahlreiche Gaststätten mit gutbürgerlicher aber auch internationaler Küche und eine Grillstube laden zur behaglichen Ruhe ein. Übernachtungsmöglichkeiten sind in ausreichender Zahl vorhanden. Dem Wochenend- und Freizeitwohnen dienen daneben Wochenendhausgebiete am Grundbergsee und in Everinghausen sowie 2 Campingplätze in Everinghausen.

 

beheiztes FreibadFür die Freizeitgestaltung stehen in Sottrum ein beheiztes Freibad, eine Tennisanlage einschl. Tennishalle mit Squashcourts und Sauna, Kegelbahnen sowie Sport- und zahlreiche Kinderspielplätze zur Verfügung. Dem Pferdefreund eröffnen sich Reitmöglichkeiten. Für Ruhe und Entspannung innerhalb des Ortes sorgen ausgiebige Grünflächen.

Schließlich sei noch erwähnt, daß auch Raum für die Ansiedlung von Gewerbebetrieben in idealer Verkehrslage vorhanden ist. In unmittelbarer Nähe des Verkehrsknotens BAB Hamburg-Bremen / B 75 (BAB-Anschlußstelle Stuckenborstel) befinden sich die Gewerbegebiete "Barkhof" und "Sottrum-West", in denen sich bereits zahlreiche Betriebe angesiedelt haben. Die Gewerbegrundstücke werden von der Gemeinde im Vorwege erschlossen und dann an die Interessenten veräußert.

Zur Geschichte der Gemeinde SottrumDie St.-Georg-Kirche in Sottrum

Die kulturgeschichtliche und politische Entwicklung des Kirchspiels Sottrum ist mit der Geschichte und der Entwicklung der Kirche eng verflochten. Die Kirchen unserer engeren Heimat weisen in ihren Anfängen alle nach Verden. Die Gründung dieses alten Bischhofsitzes ist mit dem Frankenkaiser Karl dem Großen verbunden. Bremen und Verden sind ausgangs des 8. Jahrhunderts die ersten Stützpunkte des mit den Franken vordringenden Christentums im sächsischen Gebiet. Ob Karl der Große die Gründung dieser beiden bedeutenden Bischhofssitze veranlaßt hat, ist nicht erwiesen, jedoch teilte er das eroberte Gebiet in Missionssprengel ein, welche die Grundlage zur Schaffung von Bistümern waren.

Im Eingangsbereich des Verdener Doms hängt eine nach Geschichtsquellen erstellte handgezeichnete Landkarte, auf der die Grenzen des Bistums Verden und der benachbarten Gebiete um das Jahr 1200 dargestellt sind. An der äußersten nördlichen Grenze im südlichen Zipfel des Waldsatigaues ist Sottrum deutlich auf der Karte hervorgehoben. Dem Betrachter mag sofort die Grenzlage des Ortes ins Auge fallen, die Nahtstelle zwischen dem Erzbistum Bremen und dem Bistum Verden. Sie ist zwischen den Kirchenfürsten von Bremen und Verden bzw. ihren Vasallen jahrhundertelang umkämpft gewesen. Unter diesen Zwistigkeiten hat die hiesige Bevölkerung sehr gelitten. Vor allem aber wurde die Entfaltung des damaligen bedeutenden Diakonats Sottrum erstickt. Wie lange diese geschichtliche Entwicklung nachwirkte, zeigt die Trennung unseres Ortes in Groß- und Klein-Sottrum bis in das 20. Jahrhundert hinein.

Seit wann besteht Sottrum?

Mit dieser Anfrage wandte sich schon vor Jahrzehnten Gemeindedirektor Schloen an das Staatsarchiv in Hannover. Leider konnte auch dort nur auf die bekannte bislang älteste Wahlkapitulation (Übereinkommen) aus dem Jahre 1205 hingewiesen werden, in der Sottrum unter der Bezeichnung "Suthrem" als Archidiakonat des Verdener Domkapitels erwähnt ist. Es wird jedoch bemerkt, daß Sottrum sehr wahrscheinlich schon um das Jahr 800 bewohnt gewesen ist, möglicherweise auch Sitz einer Thingstätte war. Aus der Tatsache, daß um 1200 in Sottrum schon eine Synodalkirche vorhanden war, vermuten einige Historiker, daß in Sottrum neben Scheeßel eine der ersten Kirchen im Sachsenlande erbaut wurde.

Unter einem Archidiakon ist der Vertreter des Bischofs mit besonderen Befugnissen und Vollmachten zu verstehen. Er war ein Gebieter in seinem Amtsbereich, übte die Gerichtsbarkeit aus und besaß zudem das Visitationsrecht über die ihm unterstellten 12 benachbarten Kirchspiele, die von Neuenkirchen im Süden bis Selsingen im Norden reichten. Seiner Amtsstellung entsprechend war auch seine Amtskirche in Sottrum mit mehreren hundert Morgen Grundbesitz ausgestattet. Es ist nicht abwegig, wenn Geschichtsforscher den ersten Kirchenbau in Sottrum mit den Karolingern in Verbindung bringen (Karl der Große 747 -814). Die Kirche und der Name unseres Ortes, über dessen Ursprung im Laufe der Zeit viel gerätselt worden ist, stehen ohne Zweifel in enger Beziehung zueinander.
Wo das Wissen auf Grenzen stößt, bilden sich leicht Legenden:
Sie erzählt von einem Ochsen, den man des Nachts laufen ließ. Wo dieser sich lagere, solle eine Kirche gebaut werden. Man fand ihn am anderen Morgen ganz in der Nähe der Wieste. Trotz des sumpfigen Geländes gehorchte man der "Gottesentscheidung" und scheute keine Mühe, den Sumpf mit Sand zu füllen. Doch ein gräßlicher Drache machte des Nachts zunichte, was am Tage geschaffen worden war. Doch schließlich kam den Bewohnern der Ritter Georg zu Hilfe, der den Drachen erschlug. Aus Dankbarkeit erwählten sie ihn zum Schutzpatron ihres Gotteshauses; heute unsere St. Georgs-Kirche.

Was vermuten nun Historiker und Namensforscher über den Ursprung unseres Ortes?
Ulrich Scheuermann reiht Sottrum in die Siedlungsnamen auf - heim ein. Er stellt fest: "Nur in einem Namen, in dem Namen Sottrum ist das Grundwort noch heute klar zu erkennen; es ist hier, wie in so vielen niedersächsischen Ortsnamen dieser Gruppe, zu "-um" geworden."

Die erste Silbe des zusammengesetzten Namens bezeichnet die geografische Lage: suthar, süder, nach Süden, südlich. "Sottrum ist also das Süderheim; das korrespondierende Nordheim ist das etwa 9 km nördlich gelegene Nartum, das um 1320 als "zu Nordheim" überliefert ist."

1801 besetzten die Preußen das Hannoveraner Land. Zwei Jahre später kamen Napoleons Truppen nach Sottrum. 1806 trat Napoleon jedoch Hannover wieder an Preußen ab. 1809 begann der streckenweise Bau der sogenannten "Napoleonstraße" von Wesel über Bremen und Hamburg nach Lübeck. Viele junge Leute aus dem Kirchspiel Sottrum wurden für Napoleons Armee zwangsrekrutiert. 1812 marschierten sie in Rußland ein.

Von 1810 bis 1814 gehörte die hiesige Region direkt zu Frankreich. Zur Verstärkung der Kontinentalsperre gegen England verleibte Napoleon durch einen Erlaß vom13.10.1810 einen breiten Streifen von der Ems bis an die Elbe ins französische Kaiserreich ein. Die Bewohner galten nun als "Franzosen". Durch die Befreiungskriege (1813-1815) kam die Region wieder an das seit 1814 zum Königreich avancierte Hannover zurück. Aus der Zeit der Befreiungskriege stammen die Notizen von der Pfarrerstochter Mathilde Peßler, die nachzulesen sind im Buch: "Das Pfarrhaus zu Sottrum". Im Krieg zwischen Preußen und Österreich stellte sich das Königreich auf die Seite Österreichs. Doch am 3. Oktober 1866 kam es zur Annexion und zur Auflösung des Königreichs Hannover durch Preußen. Nun waren die hiesigen Einwohner nicht mehr Hannoveraner unter den Welfen, sondern Preußen.

Die bisherigen Ämter wurden von der preußischen Regierung in Kreise umbenannt und vergrößert.
Das 19. Jahrhundert brachte große Umbrüche mit sich, die alle Bereiche des Lebens berührten.
Für die hiesige Region waren die Fertigstellung der Eisenbahnlinie Bremen-Hamburg und die Einweihung des Sottrumer Bahnhofs vor 120 Jahren große Ereignisse. 1877 wurde in Sottrum eine Postagentur eingerichtet, die 1913 in ein neu errichtetes Amtsgebäude umzog. Am 20. Februar 1899 wurde die genossenschaftliche Molkerei ins Leben gerufen.
Am 12.10.1892 wurde die Spar- und Darlehnskasse gegründet.
Im 1. Weltkrieg ließen 34 Männer aus Groß-Sottrum und 14 aus Klein-Sottrum ihr Leben. In den Nachkriegsjahren hatten die Menschen mit Inflation und Wirtschaftskrise zu kämpfen; ein Aufschwung zeichnete sich erst nach Einführung der Rentenmark ab. Durch einen Ministerialerlaß konnten am 1.1.1929 Groß- und Klein- Sottrum zur Gemeinde Sottrum zusammengelegt werden.

Sottrum war seit Jahrhunderten eine Vogtei, die in ihrem Amtsbereich in etwa dem früheren Kirchspiel entsprach. Die Vogteistraße in unserem Dorf erinnert bis heute an den Amtssitz des Vogtes. Als im Jahre 1884 durch eine Verwaltungsreform die Landkreise gebildet wurden, übernahmen diese die bisherigen Aufgaben der Vögte, deren Amtsbereich damit aufgelöst wurde.
Laut Jordebuch gehörten um 1700 folgende Höfe und Ortschaften zur Sottrumer Vogtei: "Sottmar (Sottrum), Berckhoff (Barkhof), Verhoff (Fährhof), Dodenberg, Hassendorff, Waffensen, Boter- sen, Jerhoff (Jeerhof), Höperhöfen, Mulmeshorn (Mulmshorn).

Der Amtssitz des Vogtes in Sottrum wurde auch als "Königliches Amtshaus" bezeichnet. Der Vogteihof an der Wieste wurde erst durch Amtsvogt Joh. Anthon Borries (ab 1732) begründet. Er lag unmittelbar an der Wieste und war durch Gräben mit ihr verbunden.Der letzte Vogt war hier J.F. Lohmann (seit 1822). Mit der erweiterten Zuständigkeit der Ämter hörte die Vogtei auf zu bestehen. Die Hofanlage wurde 1858 an Hinrich Warncke verpachtet. Am 27.06.1935 brannte das alte Vogteihaus ab. Es wird erzählt, daß an dieser Stelle in früheren Zeiten eine Burg gestanden haben soll.
Die ursprüngliche Vogtei befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche. Seit 1639 gehörte sie den Vögten Prange, Marschalck und deren Erben. Durch Erbteilung schließlich wurde der Vogteihof geteilt. In der Folgezeit ging er auf die Bäckerei Fricke und das Elektrogeschäft Bohling über.
Der Voigt als Beauftragter des Amtes hatte für die öffentliche Ordnung in seinem Bereich zu sorgen und erledigte einfache Verwaltungsaufgaben. Er zog Steuern ein, überwachte die Dienst- und Lehnspflichten und hatte zudem die Befugnis, bei nicht schwerwiegenden Vergehen Übeltäter abzuurteilen und zu bestrafen.
Im Jordebuch heißt es über seine Rechtsbefugnisse:
"Der Voigt hat die erste Instanz von geringfügigen Sachen". Im Königlichen Amtshause in Sottrum stand ihm dafür sogar eine kleinere Arreststelle zur Verfügung. Auf Grund ihrer Aufgaben und Stellung fühlte sich der Stand der Amtsvögte als eine exklusive Gesellschaft.

Stuckenborstel und Everinghausen

Adeliges Gut in StuckenborstelStuckenborstel wurde im 13. Jahrhundert Stutenburstolt genannt. Das Bindewort ist Mittelniederdeutsch "stuke" für Baumstumpf. Das Grundwort "borstel" ist zusammengesetzt aus den mittelniederdeutschen Wörtern "bur" nach "einräumiges Gebäude" und "stal" nach "Ort, Stelle". So läßt sich die Bedeutung dieser Wortfügung mit Wohnplatz, Ansiedlungsstelle oder Einzelhof beschreiben. Der Grundwortstamm heutiger "Borstel-Orte" läßt auf die Entstehung aus einer Hausstelle schließen. Die Ländereien "Stuckenborstel, einst Gut der von der Helle und der Clüver"' waren ab 1573 Clüversches Gut. Das heute noch stehende Herrenhaus wurde im Jahre 1631 von B. Clüver erbaut. Alle Ländereien in und um Stuckenborstel gehörten zum Adeligen Gut Stuckenborstel. So auch die Ländereien um Everinghausen.
Die erste Schule Sottrums ist der Gutsherrin Göste von Clüver zu verdanken, die sie 1618 stiftete. Die Clüver übernahmen auch das Patronat für die Schule und die Kirche in Sottrum. Das Gut Stuckenborstel war seit 1696 im Besitz der Erben des Oberstleutnants Hans Christoph von Ziegesar mit Christoph Dietrich von Ziegensar, ein Fünftel davon in Hand einer Schwester, die mit dem Rittmeister Gerhard Peter Buttelmann verheiratet war. Die vier Fünftel wurden nach dem Tode C. D. v. Ziegensar (1728) an den Obersten Caspar Cornelius von Linstow verkauft. Dessen Witwe vermachte das Gut an den Sohn ihrer Schwester, Daniel von Greiffencrantz aus Campe. Um 1732 waren 6 Kötner auf dem Gutshof bemeiert. Beim Verkauf von Flächen an die Kötner veräußerte der Gutsherr nur Heidland und feuchte Wiesen. Noch heute liegen die Kötnerwiesen nördlich der B 75 in Richtung Ottersberg nebeneinander, ebenso die Wiesen am Schnepfenbruchsweg. Eine Verkoppelung hat in Stuckenborstel nie stattgefunden.

Die Wassermühle in StuckenborstelBis in das Jahr 1790 gehörte die hiesige Wassermühle zum "Adeligen Gute Stuckenborstel". Eigentümer der Mühle und Besitzer der Wasserrechte war von 1790 bis 1989 die Familie Brettmann, Stuckenborstel. Die Mühle wurde durch Nutzung der Kraft des Wiestewassers, ab 1866 durch eine zusätzliche Dampfmaschine und ab 1920 mit Elektrizität betrieben. 1950 wurde der Mühlenbetrieb aufgegeben.
Im Jahre 1989 kaufte die Gemeinde Sottrum das Mühlengebäude. Am 26.3.1991 gründete sich der Förderkreis Wassermühle Stuckenborstel.

Glockenturm von StuckenborstelDer Einfluß der Gutsbesitzer von Stuckenborstel reicht auch in die Sottrumer Kirchengeschichte. 1737 mußte die Sottrumer Kirche abgerissen werden. Der vermutlich aus dem 15./16.Jahrhundert stammende Kirchturm blieb stehen. Die öffentliche Einweihungsfeier des neu errichteten Gebäudes fand am 2.2.1740 statt. Für den Neubau der Sottrumer St.-Georgs-Kirche spendete die Witwe des damaligen Besitzers vom Gut Stuckenborstel Caspar Cornelius von Linstrow einen größeren Betrag. Er starb 1735 und sie 1748. Beide fanden ihre Ruhestätte vor dem Altar in der Sottrumer St.-Georgs-Kirche. Auch Erbherr zu Stuckenborstel Daniel von Greiffencrans spendete für die Kirchenglocke von 1750. Der Name "Daniel von Greiffencrans", Erbherr von Stuckenborstel" steht auf der Glocke.